Good-Bye and Hello

„Kommt gut nach Hause“ möchte man James Cook, Wilhelm von Humboldt und Clara Schumann zu rufen. Seit März waren sie zu Gast im Museum für Kommunikation Berlin waren. Vielmehr: Ihre Tagebücher.
Nachdem diese drei Monate im Mittelpunkt der Ausstellung „@bsolut privat!? Vom Tagebuch zum Weblog“ standen, geben wir sie nun mit dem größten Dank an ihre Besitzer zurück. Für die großzügige Leihgabe möchten wir uns an dieser Stelle bei der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen Anhalt (James Cook), der Sammlung Schloss Tegel (Wilhelm von Humboldt) sowie bei der Staatsbibliothek zu Berlin (Clara Schumann) bedanken.

„Kommt doch rein“ hingegen heißt es gleichzeitig für drei andere prominente Tagebuchschreiber, die jetzt unsere Ausstellung bereichern. Zu Ihnen gehören E.T.A. Hoffmann, Brigitte Reimann und Robert Walser.

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E.T.A. Hoffmanns Tagebuchfragment aus dem Jahre 1811

E.T.A. Hoffmann (1776 – 1822) führte eine Doppelexistenz zwischen Kunst und bürgerlichem Beruf, Phantasie und Realität – ein Spannungsverhältnis, das sowohl Motivation als auch Leitthema seines künstlerischen Schaffens war. Erst ab 1814, während der Berliner Jahre, stellten sich literarische Produktivität und beruflicher Erfolg in beiden Bereichen ein. Nach einem ersten Versuch des Tagebuchschreibens 1803 führte E.T.A. Hoffmann seit 1809 für einige Jahre Notizen in Schreibkalendern. In das von uns präsentiert Exemplar der Erstausgabe seiner Erzählung „Prinzessin Brambilla“ von 1821 hat er ein zehn Jahre zuvor, am 6.1.1811, notiertes Tagebuchfragment eingeklebt: „Warum denke ich schlafend und wachend so oft an den Wahnsinn? – ich meine geistige Ausleerungen können wie ein Aderlass wirken.“ Möglicherweis hat sich Hoffmann mit der „Brambilla“, die von Liebesverwirrungen inmitten des römischen Karnevals handelt, „zur Ader gelassen“ und stellte nachträglich den Zusammenhang zum Tagebucheintrag her.

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Brigitte Reimanns Tagebuch aus dem Jahre 1956

Als Brigitte Reimann (1933 – 1973) 1956 in der DDR erste literarische Erfolge feierte, entdeckte sie das Tagebuch zur „Selbstverständigung“ ihrer Schriftstellerexistenz. Ein Journal intime interessierte sie nicht, weil es ihr „lästig und anstrengend“ scheint die eigene „Seele zu zerpflücken“, zudem bestenfalls „Halbwahrheiten“ herauskommen. Ihr Roman „Franziska Linkerhand“ bleibt unvollendet und erscheint erst nach ihrem frühen Tod. Geht die Literaturkritik – insbesondere in der Wahrnehmung von Schriftstellerinnen – oft davon aus, dass sich Texte aus persönlichen Erlebnissen speisen, so stehen Leben und Kunst bei Brigitte Reimann in einem anderen Verhältnis: sie bricht am 24.3.1956 ihren Eintrag ins Tagebuch ab, weil ihr „bei jeder Zeile ein ganz neues Buch im Kopf herum“ spukt.

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Robert Walsers Tagebuch-Fragment aus den Jahre 1926

Robert Walser (1878 – 1956) hat in seinem literarischen Werk oft die Tagebuchform genutzt, jedoch im Alltag nie Tagebuch geführt. Bei dem „Tagebuch-Fragment“ aus dem Nachlass handelt es sich um ein Schreib-Experiment, das verschiedene Verfahren des Tagebuchs erkundet.
Zu Beginn legt Robert Walser den Schreibzeitraum auf „etwa zwanzig Tage“ fest. Er notiert die Einträge in seiner charakteristischen Miniaturschrift auf der Rückseite von Kalenderblättern vom April 1926. Ob diese Datumsvorgaben mit der tatsächlichen Schreibzeit übereinstimmen ist ungewiss. Im Text wird zudem das Dialogische des Tagebuchschreibens thematisiert: Der Schlusssatz „Wir nun ein Gespräch stattfinden?“ lässt offen, ob ein Dialog zwischen Autor und Leser, Leben und Schreiben oder zwischen den beschriebenen Kalenderblättern gemeint ist.

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