Zu Gast im Fernsehen

Frühstückscafé im TV Berlin

Tv_b5_klPlötzlich hieß es, eine der Kuratorinnen muss zum Interview ins Fernsehen. TV Berlin, ein lokaler Sender, 6 Minuten insgesamt. Da Christiane Holm schon die letzten zwei Radiotermine wahrgenommen hatte, war ich in der Pflicht. Während der Taxifahrt erzähle ich vom Fahrziel. TV Berlin, ich würde es nicht kennen, komme ja von außerhalb, guckt das jemand? Der Taxifahrer lacht und meint, klar kennt er das und gucken tut er es auch ab und an.
In der Strasse angekommen, verbirgt sich in der Nr. 1 ein Bürohaus, kein Fernsehsender weit und breit. Wo ist TV Berlin? Nicht das ich mein eigenes Interview verpasse. Die Nr. 1a ist nicht zu finden. Also rein zur Pförtnerin und fragen. Die geht mit raus, zeigt auf den Fernsehturm und sagt, da unten, da sei der TVB. Schnell hin, rein ins Gebäude, um 14. 30 habe ich den Termin zur Maske. Doch das Mädchen am Empfang meint, ich soll mich erstmal hinsetzen, es wär noch jemand anderes in der Maske und ich würde gleich abgeholt werden. Das Foyer ist hoch, viel Glas und Stahlträger. Ich warte und bemerke, dass meine Kamera einen tiefen Riss im Display hat. Dieses ist futsch. Keine Ahnung, wie die Fotos werden. Das Ganze ist ein bisschen wie Lomografie, man weiß erst später, was man fotografiert hat und was bei raus kommt.
19. März: Frühstückscafé bei TV Berlin
Endlich kommt jemand und fragt, ob wie die fürs Frühstückscafé seien. Bis dahin wusste ich davon nichts, aber warum nicht, Frühstückscafé klingt nett. An einem Raum mit vielen Bildschirmen vorbei, Menschen die konzentriert in ihre Computertastaturen hacken, in einen dunklen Gang hinein (fast renn ich gegen die Wand). Links, ein Durchgang, dort gleißend gelbes Licht: das Studio. Rechts ein winziger Raum, mit Schränken vollgestellt, in der Ecke zwei Sesselchen und ein niedriger Glastisch. Dort sollen wir warten. Im Raum nebenan ist die Maske, aber dort wird noch jemand geschminkt. Mein Blick schweift ziellos umher. Im Schrank neben mir sind fein ordentlich BOSS-Schuhkartons aufgereiht, vor jedem mit Kreppband ein Name. An der Garderobe hängt ein weißer Ledermantel mit Pelzkragen. Gegenüber das "On Air"-Schild, noch ist es dunkel. Wild gestapelt liegen auf dem Schrank in der Ecke Kleiderbügel. Dann kommt ein blondes Mädchen aus der Maske, ich denke, das sei die Visagistin, doch schon erzählt sie vom Interview und mir wird klar, dass ist die Moderatorin. Ganz rosa Pastell geschminkt, strahlend das Lächeln, ein Sonnenschein: Frühstücksfernsehen in persona.
19. März: Frühstückscafé bei TV Berlin
Vor unserem Gespräch wird ein Berliner Pop-Chanson-Duo ein fröhliches Liedchen singen. Das Duo tritt aus der Maske, gerüscht und ganz in Rot folgen sie der Moderatorin ins Studio. Ich muss hingegen nun zum Schminken Platz nehmen. Zuerst Feuchtigkeitscreme, dann diverse Make-up-Schichten, die mit einem Pinsel auf die Haut getupft werden. Meinen Lidstrich darf ich behalten, doch mit braunen Lidschatten wird ein effekthaschender Halbkreis auf obere Augenlid gelegt, oben noch ein weißes Highlight. Mit meinem eigenen Lipgloss (Danke!) werden meine Lippen nachgezogen. Ich sehe aus, als ob es zu einer Abendveranstaltung ginge, doch es geht nur hinein in das gelbe Studio, dort stehen zwei rote Stühle. Hier wird es gleich das ungezwungene, morgendliche Gespräch über die Tagebuchausstellung geben.
19. März: Frühstückscafé bei TV Berlin
Vorab unterhalten die Moderatorin und ich uns ein wenig über die Ausstellung, sie liest die Anmoderation vor, ob das ok wäre. Dann ein mahnender Einwurf aus der Regie, dass wir starten müssten. Ich soll einfach nur Richtung Moderatorin gucken. Diese guckt hingegen zum Teleprompter und beginnt mit der Anmoderation. Dann die erste Frage. Siehe da, keine größeren Wackler, kein Stottern. Halbwegs gerade Sätze kommen aus meinem Mund. Ich erzähle vom Hans Gröners Holzblog und Anke Gröners Bloggeschichte dazu. Dann erwähne ich noch die DDR-Ausreise-Tagebücher von Dietmar Riemann, schließlich kam dieser aus Berlin und seine Geschichte ist gerade dieses Jahr aktueller denn je. Schon sind die sechs Minuten vorbei. Alles ist im Kasten, wir sind fertig.
19. März: Frühstückscafé bei TV Berlin
Ich packe meine Sachen, reibe mir die braunen Make-up-Schichten aus dem Gesicht und gehe raus in das Sonnenlicht. Ich muss zurück zum Museum, denn dort wartetet in drei Stunden die Ausstellungseröffnung auf mich.
Am nächsten Tag wird das Interview im Fernsehen zu sehen sein, online ist es jedoch auch verfügbar.

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