Montag, 15. Juni 2009
Zitat der Woche
August von Platen
Ich machte diesen Morgen eine sehr unangenehme Bemerkung. Ich war nämlich im Quartiere Schönbrunns, um ihn zu besuchen, weil er noch zu Bette liegt, wegen seiner Verwundung. Sein Gespräch zeigte mir zu klar, daß er etwas gelesen hat im vorigen Hefte dieser Blätter.
Er wollte […] durchaus nicht bekennen, daß mein Tagebuch in seine Hände gefallen wäre. Doch ich weiß, daß er ein Lügner ist, und er sagte mir einen Umstand, welchen niemand weiß, als ich. Seine Unbescheidenheit beleidigte mich in der That. Besonders erzählte er mir den Inhalt der ersten Seiten meines vorigen Buchs, und ich bin gewiß, daß er sie ganz gelesen hat. Leider enthalten sie etwas von B., und ich würde in der That zu beklagen sein, wenn er diese Zeilen gefunden und einigermaßen verstanden hätte. Er würde es nicht bei sich behalten, jedermann würde es erfahren. Deswegen schreibe ich nun immer englisch. Obgleich mein englischer Stil sehr schlecht ist, so ziehe ich ihn doch der Ehre vor, durch andere gelesen zu werden. Nichts könnte mich mehr verstimmt machen, als wenn meine Neigung zu B. laut würde. Die Eigenschaften meines Herzens gehören nur mir zu. […]
Er wollte […] durchaus nicht bekennen, daß mein Tagebuch in seine Hände gefallen wäre. Doch ich weiß, daß er ein Lügner ist, und er sagte mir einen Umstand, welchen niemand weiß, als ich. Seine Unbescheidenheit beleidigte mich in der That. Besonders erzählte er mir den Inhalt der ersten Seiten meines vorigen Buchs, und ich bin gewiß, daß er sie ganz gelesen hat. Leider enthalten sie etwas von B., und ich würde in der That zu beklagen sein, wenn er diese Zeilen gefunden und einigermaßen verstanden hätte. Er würde es nicht bei sich behalten, jedermann würde es erfahren. Deswegen schreibe ich nun immer englisch. Obgleich mein englischer Stil sehr schlecht ist, so ziehe ich ihn doch der Ehre vor, durch andere gelesen zu werden. Nichts könnte mich mehr verstimmt machen, als wenn meine Neigung zu B. laut würde. Die Eigenschaften meines Herzens gehören nur mir zu. […]
Quelle: 15. Juni 1815 aus Die Tagebücher des Grafen August von Platen, Bd. 1 Aus der Handschrift des Dichters hg. v. Georg v. Laubmann u. Ludwig v. Scheffler. Hildesheim/ New York: Olms 1969.







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