Zitat der Woche

Alma Mahler-Werfel

[…] Brief von Else. – Beantwortete ihn heute. Sie lechzt nach einem Menschen, dem sie ihr Herz ausschütten könne, denn sie findet, schreiben kann man nicht, was man fühlt – nur sprechen – sagen. Ich pries ihr heute das Tagebuch warm an.
Ich schrieb:
Schau, es kommen die Stürme des Lebens, brausen hinweg über kleine Begebenheiten – und sie sind vergessen, verweht. Und oft gerade diese kleinen Erinnerungen sind so schön.
Und es ist wahr, ich suche immer noch nach kleinen Erinnerungen, um sie hier einzuschreiben und nie zu vergessen. Ich schrieb ihr auch, dass kein Mensch besser zu trösten weiß, wie das Tagebuch. Bin ich einmal recht traurig, setze ich mich her, schreibe und weine zugleich, schreibe so lange an meinem Kummer, bis die Thränen versiegt und ich wieder ganz guter Dinge.
Wie oft war das schon. –
Quelle: 10. Juni 1899 aus Tagebuch- Suiten 1898 - 1902. Hg. v.Antony Beaumont u. susanne Rode-Breymann. Frankfurt/M.: S. Fischer 1997.

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