Sonntag, 19. April 2009
Zitat der Woche
Marie Bashkirtseff
[…] Was auch aus mir werde, ich vermache mein Tagebuch dem Publikum.
Alle Bücher, welche man liest, sind Erfindungen. Die Situationen darin sind erzwungen, die Charaktere falsch, während das hier die Photographie meines Lebens ist. Ach, werdet ihr sagen, diese Photographie ist langweilig, während die Erfindungen amüsant sind.
Wenn ihr das behauptet, werdet ihr mir eine schlechte Idee von eurer Intelligenz geben; ich biete euch hier, was man noch niemals gesehen hat. Alle Memoiren, alle Tagebücher, alle Briefe, die man veröffentlicht, sind die Erfindungen von Schicksalen, um die Welt damit zu täuschen. Ich habe weder eine politische Tat zu verschleiern, noch eine verbrecherische Beziehung zu verheimlichen. Niemand beunruhigt sich darüber, ob ich liebe, ob ich weine oder lache. Meine größte Sorge ist, mich so genau als möglich auszudrücken. Ich mache mir keine Illusionen über meinen Stil und meine Orthographie. Ich schreibe fehlerlos Briefe; aber inmitten dieses Ozeans von Worten lasse ich ohne Zweifel viele Schnitzer entschlüpfen. […]
Alle Bücher, welche man liest, sind Erfindungen. Die Situationen darin sind erzwungen, die Charaktere falsch, während das hier die Photographie meines Lebens ist. Ach, werdet ihr sagen, diese Photographie ist langweilig, während die Erfindungen amüsant sind.
Wenn ihr das behauptet, werdet ihr mir eine schlechte Idee von eurer Intelligenz geben; ich biete euch hier, was man noch niemals gesehen hat. Alle Memoiren, alle Tagebücher, alle Briefe, die man veröffentlicht, sind die Erfindungen von Schicksalen, um die Welt damit zu täuschen. Ich habe weder eine politische Tat zu verschleiern, noch eine verbrecherische Beziehung zu verheimlichen. Niemand beunruhigt sich darüber, ob ich liebe, ob ich weine oder lache. Meine größte Sorge ist, mich so genau als möglich auszudrücken. Ich mache mir keine Illusionen über meinen Stil und meine Orthographie. Ich schreibe fehlerlos Briefe; aber inmitten dieses Ozeans von Worten lasse ich ohne Zweifel viele Schnitzer entschlüpfen. […]
Quelle: 19. April 18 76 aus Tage uch der Maria Bashkirtseff 1873 - 1884.Hg. v. Gottfried M. Daiber. Aus dem Franz. v. Lothar Schmidt. Berlin: Ullstein 1983.







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