Freitag, 14. November 2008
So lange ich lebe, hoffe ich
Nachlese der Veranstaltung am 9.11.
Das düstere Novemberwetter passte zum Thema der Matinee im Museum für Kommunikation am 9. November, dem siebzigsten Jahrestag der so genannten Reichsprogromnacht. Die Schauspielerin Katharina Tank las Auszüge aus dem Tagebuch von Ágnes Rózsa, die in den Jahren 1944/ 1945 KZ-Häftling in Auschwitz und Zwangsarbeiterin in Nürnberg war.Dabei wurde ihr das in Nürnberg entstandene Tagebuch, verfasst auf Papierfetzen wie Urlaubsscheinen oder Werklisten, zum Überlebensmittel. Gerichtet war es in an ihren Ehemann, der wie sie Krieg und Zwangsarbeit überlebte. Wäre dieses einzigartige Dokument, das die Autorin ständig am Körper trug, bei einer der zahlreichen Kontrollen und Leibesvisitationen entdeckt worden, hätte es für Ágnes Rózsa den sicheren Tod bedeutet.
Ein wesentlicher Teil der Tagebuchaufzeichnungen blickt auf die schrecklichen Erlebnisse zurück, die die Verfasserin in Auschwitz hatte, wo sie knapp der Vergasung entging. Diese Erlebnisse standen im Mittelpunkt des ersten Leseblocks. Den zweiten Textblock bildeten Einträge aus der Nürnberger Zeit, in denen Ágnes Rózsa die Arbeit bei den Siemens-Schuckert-Werken sowie das Lagerleben schildert, dass von Hunger, Kälte und Schikanen durch das Aufsichtspersonal gekennzeichnet war. Gleichzeitig erlebten sie und ihre Mitgefangenen die Bombardierung und Zerstörung der Stadt Nürnberg mit. Nach der kompletten Vernichtung des Lagers an der Katzwanger Straße im Februar 1945 wurden die überlebenden Frauen in ein Lager nach Holleischen im Sudetenland gebracht, wo sie in der Munitionsfabrikation arbeiteten und unter vergleichbar schlimmen Bedingungen wie in Nürnberg leben mussten. Anfang Mai 1945 wurden die Gefangenen schließlich befreit.
Katharina Tanks Vortrag ließ die Persönlichkeit Ágnes Rózsas, die durch das Tagebuchschreiben ihre Würde und die ihrer Mitgefangenen in einer menschenverachtenden, lebensbedrohlichen Situation bewahrte, lebendig werden. Zwischen den Leseblöcken unterhielt sich Vera Losse vom Museum für Kommunikation mit Monika Wiedemann vom Nürnberger Stadtarchiv, die Rózsas Aufzeichnungen aus dem Ungarischen ins Deutsche übersetzt hat und entscheidenden Anteil an der Publikation der Aufzeichnungen hatte.
Zunächst stellte sie die Biografie Ágnes Rózsas vor, die als Lehrerin und Übersetzerin tätig war. Ihren geliebten Ehemann traf sie nach dem Krieg wieder, allerdings verstarb er schon kurze Zeit später. Monika Wiedemann berichtete im zweiten Gesprächsblock lebhaft, wie sie durch die Puppenmacherin Magda Watts, eine Lagerschwester Ágnes Rózsas, Kenntnis von dem Text erhielt und ihn ins Deutsche übertrug. Mit Magda Watts, die heute in Israel lebt und seit ihrer Haftzeit als Puppenmacherin tätig ist, pflegt sie bis heute einen intensiven Austausch per mail.
Buchtipp: Solange ich lebe, hoffe ich. Die Aufzeichnungen des ungarischen KZ-Häftlings Ágnes Rózsa 1944/45 in Nürnberg und Holleischen. Übersetzt von Monika Wiedemann, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Gerhard Jochem, testimon Verlag Nürnberg 2006.
Ein wesentlicher Teil der Tagebuchaufzeichnungen blickt auf die schrecklichen Erlebnisse zurück, die die Verfasserin in Auschwitz hatte, wo sie knapp der Vergasung entging. Diese Erlebnisse standen im Mittelpunkt des ersten Leseblocks. Den zweiten Textblock bildeten Einträge aus der Nürnberger Zeit, in denen Ágnes Rózsa die Arbeit bei den Siemens-Schuckert-Werken sowie das Lagerleben schildert, dass von Hunger, Kälte und Schikanen durch das Aufsichtspersonal gekennzeichnet war. Gleichzeitig erlebten sie und ihre Mitgefangenen die Bombardierung und Zerstörung der Stadt Nürnberg mit. Nach der kompletten Vernichtung des Lagers an der Katzwanger Straße im Februar 1945 wurden die überlebenden Frauen in ein Lager nach Holleischen im Sudetenland gebracht, wo sie in der Munitionsfabrikation arbeiteten und unter vergleichbar schlimmen Bedingungen wie in Nürnberg leben mussten. Anfang Mai 1945 wurden die Gefangenen schließlich befreit.
Katharina Tanks Vortrag ließ die Persönlichkeit Ágnes Rózsas, die durch das Tagebuchschreiben ihre Würde und die ihrer Mitgefangenen in einer menschenverachtenden, lebensbedrohlichen Situation bewahrte, lebendig werden. Zwischen den Leseblöcken unterhielt sich Vera Losse vom Museum für Kommunikation mit Monika Wiedemann vom Nürnberger Stadtarchiv, die Rózsas Aufzeichnungen aus dem Ungarischen ins Deutsche übersetzt hat und entscheidenden Anteil an der Publikation der Aufzeichnungen hatte. Zunächst stellte sie die Biografie Ágnes Rózsas vor, die als Lehrerin und Übersetzerin tätig war. Ihren geliebten Ehemann traf sie nach dem Krieg wieder, allerdings verstarb er schon kurze Zeit später. Monika Wiedemann berichtete im zweiten Gesprächsblock lebhaft, wie sie durch die Puppenmacherin Magda Watts, eine Lagerschwester Ágnes Rózsas, Kenntnis von dem Text erhielt und ihn ins Deutsche übertrug. Mit Magda Watts, die heute in Israel lebt und seit ihrer Haftzeit als Puppenmacherin tätig ist, pflegt sie bis heute einen intensiven Austausch per mail.
Buchtipp: Solange ich lebe, hoffe ich. Die Aufzeichnungen des ungarischen KZ-Häftlings Ágnes Rózsa 1944/45 in Nürnberg und Holleischen. Übersetzt von Monika Wiedemann, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Gerhard Jochem, testimon Verlag Nürnberg 2006.







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