Samstag, 25. Oktober 2008
Kurzer Rundgang
Die Nürnberger Station
In jedem Haus wirkt die Ausstellung "Absolut privat!?" ein wenig anders. Allein die Ausstellungsflächen unterscheiden sich enorm. Wo im Museum für Kommunikation Frankfurt ein langer, durchgehender Schlauch zu bespielen war, kommt man im Museum für Kommunikation Nürnberg durch drei aneinanderhängende Räume. Im Museum für Kommunikation Berlin wird dann zudem der historische Bau in Konkurrenz zur schlichten braunen Filzarchitektur treten.In Nürnberg befindet sich der Ausstellungsraum in einem Dachgeschoss, das auch etwas weniger Platz bietet als zuvor in Frankfurt. Dies hat zur Folge, dass die einzelnen Elemente etwas dichter stehen, was sich aber als günstig erweist, weil so die Bezüge untereinander sehr deutlich werden.
Raum 1:

Das Eingangsmöbel (links) zeigt die drei Traditionslinien von Tagebüchern: Rechenbuch, Kalender und Logbuch, zudem hat hier das Tagwerke-Blog einen Platz im Ausstellungsraum gefunden. Die hohe Vitrine in der Mitte zeigt ein Tagebuchobjekt von Viktoria Wittek, auf der Rückseite liegt ein Tagebuch von Brigitte Reimann. Rechts steht eine weitere hohe Vitrine mit einer Tagebuchabschrift von Dürer und Tagebuchblättern von Robert Walser. Der Boden besteht aus bedruckten Filzstücken. Jedes Stück steht für einen Tag im Jahr. Auf ihnen sind Zitate von Literaten und Alltagsschreibern zu lesen, egal ob ursprünglich auf Papier geschrieben oder in digitaler Form.

Die Tagebuchgeschichte "Vom Logger zum Blogger" zeigt das Verschriftlichen des Tages von Großvater und Enkelin. Der Großvater Hans Gröner schrieb - von der Familie unbemerkt - auf Holzblöcken, die er dann im Brennholzstapel versenkte. Die Enkelin Anke Gröner schreibt seit vielen Jahren Blog und berichtete dort 2006 vom Fund der ungewöhnlichen Blöcke im Nachlass des Großvaters.

Im ersten Raum stehen die Tischvitrinen mit - fast ausschließlich - Tagebüchern des Deutschen Tagebucharchivs. Der erste Vitrinenkomplex präsentiert unterschiedliche "Typen". Die Grundunterscheidung ist die in "Lebenswerke" und "Temporäre Tagebücher". Dieses Prinzip lässt sich auch an einer PC-Station mit Blogs nachvollziehen.
Raum 2:

Ganz hinten ist der Durchgang zum ersten Raum. Ganz klein lässt sich eine hohe Vitrine erkennen. Dort liegen je ein Tagebuch von Thomas Mann und Viktor Klemperer. Rechts sieht man die Nische mit der Tagebuchgeschichte von Dietmar Riemann. Der DDR-Fotograf hatte Mitte der 1980er seine Ausreise beantragt. Der mühevolle Weg bis zur Ausreise im Herbst 1989 und das Zerplatzen der Erwartungen wegen der überraschenden Ereignisse durch den Fall der Mauer lassen sich an den 12 Ausreise-Tagebüchern Riemanns bestens illustrieren.

In der Mitte des Raums steht der Tischvitrinen-Komplex zur "Machart". Ob groß, ob klein, ob geheim oder dialogisch, hier geht es darum, wie mit Tagebüchern gearbeitet wurde. In ein kleines Buch schreibt man anders als in ein großes. Das Format prägt die Funktion, das gilt auch für die Machart-PC-Station. Links sieht man eine hohe Vitrinen mit den einst in einer Taschenuhr versteckten Zigarettenpapieren von Fritz Sollmitz, auf der Rückseite liegt ein Blumentagebuch von Clara Schumann. Kaum erkennbar, doch noch dahinter, ist die Vitrine mit den Zinzendorf-Tagebüchern. Rechts ist die Nische mit der Tagebuchgeschichte von Andrea Diener.

Als dritte Tagebuchgeschichte ist auf der anderen Seite der "Machart" die Nische zur Edition der Tagebücher von Anne Frank zu sehen.

Die Tagebuchgeschichte zu Andrea Diener zeigt den Wandel vom Online-Tagebuch (als klassisch selbst gebaute Html-Seite) zum Blog mit einem einfach zu bedienenden Redaktionssystem.
Raum 3:

Rechts in der hohen Vitrinen liegt ein Tagebuch von Johann Wolfgang von Goethe, daneben hängt, tagebuchartig beschrieben, ein Blatt eines Kalenders von Lou Andreas Salomé. Die Nische dahinter thematisiert den "Chronisten der Gegenwart" Rainald Goetz. Zwei weitere Tagebuchgeschichten sind im dritten Raum zu finden: Ein gefälschtes Mädchen-Tagebuch der Wiener Psychoanalytikerin Hermine-Hug-Hellmut und den Medienwandel bei den Tagebüchern von Joseph Goebbels. Insgesamt zwei Charakteristika werden an zwei Tischvitrinen-Modulen verhandelt. Sowohl der Bereich der "Experimente" (hier u.a. drei Video-Podcasts von Elsa Seefahrt), zum anderen schließt sich der Kreis und man kehrt bei der "Tradition" zu den Formen der Rechenbücher, Kalendarien und Schiffstagebücher zurück. Ein Vitrinen-Solitär nimmt sich zuletzt noch des Echolot-Werkes von Walter Kempowskis an. Neu in Nürnberg (ganz hinten im hellen) ist ein kleiner Raum, in dem die Besucher selber schreiben können. Entweder in ausgelegte Kladden oder in die Kommentarfelder hier im Tagwerke-Blog.
Raum 1:

Das Eingangsmöbel (links) zeigt die drei Traditionslinien von Tagebüchern: Rechenbuch, Kalender und Logbuch, zudem hat hier das Tagwerke-Blog einen Platz im Ausstellungsraum gefunden. Die hohe Vitrine in der Mitte zeigt ein Tagebuchobjekt von Viktoria Wittek, auf der Rückseite liegt ein Tagebuch von Brigitte Reimann. Rechts steht eine weitere hohe Vitrine mit einer Tagebuchabschrift von Dürer und Tagebuchblättern von Robert Walser. Der Boden besteht aus bedruckten Filzstücken. Jedes Stück steht für einen Tag im Jahr. Auf ihnen sind Zitate von Literaten und Alltagsschreibern zu lesen, egal ob ursprünglich auf Papier geschrieben oder in digitaler Form.

Die Tagebuchgeschichte "Vom Logger zum Blogger" zeigt das Verschriftlichen des Tages von Großvater und Enkelin. Der Großvater Hans Gröner schrieb - von der Familie unbemerkt - auf Holzblöcken, die er dann im Brennholzstapel versenkte. Die Enkelin Anke Gröner schreibt seit vielen Jahren Blog und berichtete dort 2006 vom Fund der ungewöhnlichen Blöcke im Nachlass des Großvaters.

Im ersten Raum stehen die Tischvitrinen mit - fast ausschließlich - Tagebüchern des Deutschen Tagebucharchivs. Der erste Vitrinenkomplex präsentiert unterschiedliche "Typen". Die Grundunterscheidung ist die in "Lebenswerke" und "Temporäre Tagebücher". Dieses Prinzip lässt sich auch an einer PC-Station mit Blogs nachvollziehen.
Raum 2:

Ganz hinten ist der Durchgang zum ersten Raum. Ganz klein lässt sich eine hohe Vitrine erkennen. Dort liegen je ein Tagebuch von Thomas Mann und Viktor Klemperer. Rechts sieht man die Nische mit der Tagebuchgeschichte von Dietmar Riemann. Der DDR-Fotograf hatte Mitte der 1980er seine Ausreise beantragt. Der mühevolle Weg bis zur Ausreise im Herbst 1989 und das Zerplatzen der Erwartungen wegen der überraschenden Ereignisse durch den Fall der Mauer lassen sich an den 12 Ausreise-Tagebüchern Riemanns bestens illustrieren.

In der Mitte des Raums steht der Tischvitrinen-Komplex zur "Machart". Ob groß, ob klein, ob geheim oder dialogisch, hier geht es darum, wie mit Tagebüchern gearbeitet wurde. In ein kleines Buch schreibt man anders als in ein großes. Das Format prägt die Funktion, das gilt auch für die Machart-PC-Station. Links sieht man eine hohe Vitrinen mit den einst in einer Taschenuhr versteckten Zigarettenpapieren von Fritz Sollmitz, auf der Rückseite liegt ein Blumentagebuch von Clara Schumann. Kaum erkennbar, doch noch dahinter, ist die Vitrine mit den Zinzendorf-Tagebüchern. Rechts ist die Nische mit der Tagebuchgeschichte von Andrea Diener.

Als dritte Tagebuchgeschichte ist auf der anderen Seite der "Machart" die Nische zur Edition der Tagebücher von Anne Frank zu sehen.

Die Tagebuchgeschichte zu Andrea Diener zeigt den Wandel vom Online-Tagebuch (als klassisch selbst gebaute Html-Seite) zum Blog mit einem einfach zu bedienenden Redaktionssystem.
Raum 3:

Rechts in der hohen Vitrinen liegt ein Tagebuch von Johann Wolfgang von Goethe, daneben hängt, tagebuchartig beschrieben, ein Blatt eines Kalenders von Lou Andreas Salomé. Die Nische dahinter thematisiert den "Chronisten der Gegenwart" Rainald Goetz. Zwei weitere Tagebuchgeschichten sind im dritten Raum zu finden: Ein gefälschtes Mädchen-Tagebuch der Wiener Psychoanalytikerin Hermine-Hug-Hellmut und den Medienwandel bei den Tagebüchern von Joseph Goebbels. Insgesamt zwei Charakteristika werden an zwei Tischvitrinen-Modulen verhandelt. Sowohl der Bereich der "Experimente" (hier u.a. drei Video-Podcasts von Elsa Seefahrt), zum anderen schließt sich der Kreis und man kehrt bei der "Tradition" zu den Formen der Rechenbücher, Kalendarien und Schiffstagebücher zurück. Ein Vitrinen-Solitär nimmt sich zuletzt noch des Echolot-Werkes von Walter Kempowskis an. Neu in Nürnberg (ganz hinten im hellen) ist ein kleiner Raum, in dem die Besucher selber schreiben können. Entweder in ausgelegte Kladden oder in die Kommentarfelder hier im Tagwerke-Blog.







4 Kommentare
so gesehen müsste man sich alle Austellungsstätten angucken um die Vielseitigkeit der Ausstellung und ihrer Umgebung sehen zu können.
Das ist durchaus spannend
schulprojekt
ich verfolge gerade mit meiner deutschklasse in 7 das thema tagebuch als projekt. um als gutes beispiel voran zu gehen, möchte ich tagebuchgeschichte vorstellen und finde diesen beitrag äußerst spannend.
gerade die gegenüberstellung von großvater(holzblöcke) und enkelin(webblog) finde ich großartig.
herzlichst
juliane spingler