Samstag, 18. Oktober 2008
Buchmesseblogs
Aus der Vielfalt temporärer Weblogs
Will man die Frankfurter Buchmesse mitverfolgen, weilt aber gerade nicht in dieser Stadt oder hat per se ein Unwohlsein-Gefühl großen Menschenmassen gegenüber, für den finden sich mit Buchmesseblogs eine Alternative zum realen Besuch. Zu Anfang wurde innerhalb von Blogs über die Buchmesse als normales Ereignis berichtet. Wie einjedes Erlebnis, welches einem im Alltag widerfahren kann, dass dann seinen Weg in das Blog finden. Bei jährlich, wiederholenden Berichten wurde vielleicht gar ein eigenes Thema bzw. Topic im Blog daraus. Irgendwann gab es dann eigene Buchmesseblogs. Diese sind für ca. 10 Tage mit Leben erfüllt und dann kehrt wieder Ruhe ein in die digitale Buchmesseberichterstattung.
Andrea Diener (die in einer unserer Tagebuchgeschichten in der Ausstellung präsent ist) ist aktuell als Buchmessebloggerin auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs. Dafür wurde ihr von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein Blog (Überdruck) eingerichtet (angekündigt in der FAZ). Von dort berichtet sie über Beobachtungen am Rande des Messetrubels, wie langen Schlangen, schlechten Kaffee oder Partybegegnungen am Abend.
Auch andere Nachrichtenmedien bloggen, bzw. lassen bloggen: So bloggt auf Spiegel-Online Sven Regener (Regeners Messe). Dies geschieht in einem unterhaltsamen Ton, wie man es von Sven Regener erwarten darf, zudem taucht in regelmäßigen Stimmen die "Telefonstimme" von "Hamburg Heiner" auf, mit dem lange irrwitzige Dialoge geführt werden, was Regeners Berichten einen ganz eigenen Ton verleiht.
Die Frankfurter Rundschau kann auf eigenes Personal zurückgreifen für ein FR-Buchmesseblog . Denn in der dortigen Online-Redaktion sitzt (bzw. schreibt) Monika Porrmann, die 2007 für ihr literarisches Blogprojekt "Nach 100 Jahren" den Grimme-Online-Preis bekam. Porrmann bloggte lange auch privat. Für die FR hat sie im letzten Jahr ein wunderbares regionales Geschichtsblog namens Frankfurt Story aufgebaut.
Zurück zu Andrea Diener. Am 11. Oktober 2002 schrieb sie in ihren "Reisenotizen aus der Realität" erstmals von der Buchmesse: "Ich hab vollkommen plattgelaufene Füße. Nichtsdestotrotz, das Ende der Buchmesse ist noch lang nicht erreicht. Heute hat's zwar keine interessanten Lesungen mehr, dafür aber interessante Privatpersonen, die auch da sind und nicht verpaßt werden wollen." . Von der Buchmesse 2003 gab es wieder Berichte in ihrem Blog. Eine Buchmessenpartyrezension, findet später ihren Weg in das "Blogs!"-Buch von Don Alphonso und Kai Pahl.
2005 schrieb Diener dann zusammen mit anderen Bloggern auf Literaturwelt von der Buchmesse, allerdings noch im Rahmen des Literaturwelt-Blogs, einem Gemeinschaftsblog. 2006 bloggten die Literaturwelt-Blogger dann auf einem offiziellen Blog der Buchmesse (externer Link: Screenshot). Ein temporären Blog, welches eigenst für ein paar Wochen eingerichtet worden war.
Seit 2007 gibt es von der Frankfurter Buchmesse jährlich ein Buchmesseblog in Eigenregie (so auch dieses Jahr, hier auch mit dabei: Monika Porrmann). Auch auf dem Literaturwelt-Blog wird dieses Jahr wieder von der Buchmesse gebloggt, allerdings im Verbund mehrerer Blogger und (mehr oder weniger) im Rahmen ihrer regulären Blogpraxis.
Sven Regeners Bloggen wird wohl als Buchmesseblog lanciert, dieses geschieht jedoch eher als Topic, eingebettet auf Spiegel-Online (dessen Redaktionssystem letztlich nichts anderes als ein Blog ist). Ein explizit eigenes Temporäres Blog wurde ihm nicht eingerichtet. Umso interessanter, wie Regener gern betont, dass er nun bloggt und, dass er nun ja ein Blogger sei.
Ein ironisches Spiel mit dem Format:
Hamburg Heiner: (...) Weißt du schon, was du in deinem Blog schreiben willst?
Sven: Irgendwas Erbauendes. Was die Leute aufrichtet in schwerer Zeit. Was man da so erlebt auf der Buchmesse und so. In kurzen, knappen Sätzen. Die trotzdem schön sind.
Oder ich schreib
Es untereinander
Dann
Ist es ein
Gedicht.
HH: Was willst du da schon groß erleben?
Sven: Keine Ahnung, irgendwas mit Sex sollte man schreiben, das ist gerade bei Blogs wichtig, damit das bei den Suchmaschinen vorne mit reinkommt, wenn die Leute nach Sex fragen.
Faktisch unterscheidt sich das technischen Format seiner Einträge nicht von allen anderen Texten, die dort im Bereich Kultur erscheinen. Und auch Monika Porrmann hat für die Buchmesse kein eigenes Blog eingerichtet bekommen, sondern bloggt ausgesprochen fleissig im Redaktionssystem von FR-Online (welches durch die chronologische Abfolge mit den neuesten Texten oben, natürlich ebenfalls einigen Formatkriterien eines Blog entspricht).
Temporäre Buchmesseblogs tauchen 2008 kaum in privater Form auf (hier sind es einzelne Einträge auf privaten Blogs), sie existieren entweder als kooporatives Projekt und als Corporate Blog - und kaum eine Woche später ist ihr Dasein schon zu Ende oder sie werden erst ein Jahr später wieder weiter mit Leben erfüllt.
Nachtrag:
- HR/Arte Buchmesseblog
Auch andere Nachrichtenmedien bloggen, bzw. lassen bloggen: So bloggt auf Spiegel-Online Sven Regener (Regeners Messe). Dies geschieht in einem unterhaltsamen Ton, wie man es von Sven Regener erwarten darf, zudem taucht in regelmäßigen Stimmen die "Telefonstimme" von "Hamburg Heiner" auf, mit dem lange irrwitzige Dialoge geführt werden, was Regeners Berichten einen ganz eigenen Ton verleiht.
Die Frankfurter Rundschau kann auf eigenes Personal zurückgreifen für ein FR-Buchmesseblog . Denn in der dortigen Online-Redaktion sitzt (bzw. schreibt) Monika Porrmann, die 2007 für ihr literarisches Blogprojekt "Nach 100 Jahren" den Grimme-Online-Preis bekam. Porrmann bloggte lange auch privat. Für die FR hat sie im letzten Jahr ein wunderbares regionales Geschichtsblog namens Frankfurt Story aufgebaut.
Zurück zu Andrea Diener. Am 11. Oktober 2002 schrieb sie in ihren "Reisenotizen aus der Realität" erstmals von der Buchmesse: "Ich hab vollkommen plattgelaufene Füße. Nichtsdestotrotz, das Ende der Buchmesse ist noch lang nicht erreicht. Heute hat's zwar keine interessanten Lesungen mehr, dafür aber interessante Privatpersonen, die auch da sind und nicht verpaßt werden wollen." . Von der Buchmesse 2003 gab es wieder Berichte in ihrem Blog. Eine Buchmessenpartyrezension, findet später ihren Weg in das "Blogs!"-Buch von Don Alphonso und Kai Pahl.
2005 schrieb Diener dann zusammen mit anderen Bloggern auf Literaturwelt von der Buchmesse, allerdings noch im Rahmen des Literaturwelt-Blogs, einem Gemeinschaftsblog. 2006 bloggten die Literaturwelt-Blogger dann auf einem offiziellen Blog der Buchmesse (externer Link: Screenshot). Ein temporären Blog, welches eigenst für ein paar Wochen eingerichtet worden war.
Seit 2007 gibt es von der Frankfurter Buchmesse jährlich ein Buchmesseblog in Eigenregie (so auch dieses Jahr, hier auch mit dabei: Monika Porrmann). Auch auf dem Literaturwelt-Blog wird dieses Jahr wieder von der Buchmesse gebloggt, allerdings im Verbund mehrerer Blogger und (mehr oder weniger) im Rahmen ihrer regulären Blogpraxis.
Sven Regeners Bloggen wird wohl als Buchmesseblog lanciert, dieses geschieht jedoch eher als Topic, eingebettet auf Spiegel-Online (dessen Redaktionssystem letztlich nichts anderes als ein Blog ist). Ein explizit eigenes Temporäres Blog wurde ihm nicht eingerichtet. Umso interessanter, wie Regener gern betont, dass er nun bloggt und, dass er nun ja ein Blogger sei.
Ein ironisches Spiel mit dem Format:
Hamburg Heiner: (...) Weißt du schon, was du in deinem Blog schreiben willst?
Sven: Irgendwas Erbauendes. Was die Leute aufrichtet in schwerer Zeit. Was man da so erlebt auf der Buchmesse und so. In kurzen, knappen Sätzen. Die trotzdem schön sind.
Oder ich schreib
Es untereinander
Dann
Ist es ein
Gedicht.
HH: Was willst du da schon groß erleben?
Sven: Keine Ahnung, irgendwas mit Sex sollte man schreiben, das ist gerade bei Blogs wichtig, damit das bei den Suchmaschinen vorne mit reinkommt, wenn die Leute nach Sex fragen.
Faktisch unterscheidt sich das technischen Format seiner Einträge nicht von allen anderen Texten, die dort im Bereich Kultur erscheinen. Und auch Monika Porrmann hat für die Buchmesse kein eigenes Blog eingerichtet bekommen, sondern bloggt ausgesprochen fleissig im Redaktionssystem von FR-Online (welches durch die chronologische Abfolge mit den neuesten Texten oben, natürlich ebenfalls einigen Formatkriterien eines Blog entspricht).
Temporäre Buchmesseblogs tauchen 2008 kaum in privater Form auf (hier sind es einzelne Einträge auf privaten Blogs), sie existieren entweder als kooporatives Projekt und als Corporate Blog - und kaum eine Woche später ist ihr Dasein schon zu Ende oder sie werden erst ein Jahr später wieder weiter mit Leben erfüllt.
Nachtrag:
- HR/Arte Buchmesseblog







7 Kommentare
Sie schreibt keinen PR, aber auch spielt sie keine pathetische Rolle des allvernichtenden Kritikers, wie es oft die Journalisten tun. Sie schreibt einfach das, was sie erlebt. Und das ist am wertvollsten, finde ich.
Sehr schön verdeutlicht sich das Dilemma mit der Erwartungshaltung in einem Absatz aus der Berliner Zeitung: "Es ist zudem ziemlich verwunderlich, dass die FAZ noch mit einer Buchmessen-Zeitung kommt, wo sich doch die publizistische Zukunft nicht nur im E-Book, sondern vor allem im Internet abspielen wird. Ein bisschen dran gedacht hat man schon, sonst hätte man nicht die Bloggerin Andrea Diener für eine Kolumne engagiert, die seit Jahren über die Buchmesse bloggt. Anders als bei amerikanischen Blogs tendiert der Erkenntnisgewinn von Dieners Kolumne jedoch gegen null - und ist bei Weitem nicht so lustig wie der Blog von Sven Regener, der sich bei Spiegel online über die Buchmesse austoben darf."
Das mit den Erwartungshaltungen macht mir wirklich zu schaffen. Offenbar soll ich so eine eierlegende Wollmilchsau sein, die alles irgendwie ein bißchen bedient. Allerdings kann das einer allein gar nicht leisten. Da braucht man ein ganzes Heer an Bloggern.
Abgesehen davon hatte ich ja sowas wie eine Aufgabenstellung: Keine Informationen zu bringen sondern eine eigene Sichtweise. Das wollte man von mir, dafür wurde ich angeheuert. Diejenigen, die mich angeheuert haben, sind offenbar auch zufrieden. Um alle anderen tut es mir leid, aber man kann es nicht jedem recht machen.
Dadurch, daß ich keine Privatperson mehr bin, sondern mich quasi institutionalisiert habe, fühlen sich plötzlich auch viel mehr Leute dazu berufen zu kritisieren. Auch ein interessantes Phänomen. Gerne wird dann dazu mein Blog genutzt und nicht direkt das faz-Blog. Auch das sagt mir einiges.
Bleibt die Freude, daß es offenbar denen gefallen hat, auf deren Meinung ich wert lege.
xx
titel
Korinthen
Viele Grüße, Monika
Geändert
Danke für den Hinweis.