Rückblick

Erinnerungen an die Tagebuch-Ausstellung

von Annabelle Hornung
Als ich gefragt wurde, einen Blog-Eintrag darüber zu schreiben, wie es war die Führungen durch die Tagebuchausstellung „Absolut privat!?“ zu machen, stimmte ich erfreut zu. In erster Linie fand ich die Idee gut, die Ausstellung aus einer Perspektive zu schildern, die selten zu Wort kommt. Die Besucher haben viel häufiger die Gelegenheit, ihre Meinung zu sagen oder zu schreiben, ebenso oft kommen die AusstellungsmacherInnen zu Wort, wenn es um die eigene Ausstellung geht. Wie waren denn nun die Führungen durch die Tagebuch-Ausstellung im Museum für Kommunikation?
Im Thema der Ausstellung lag schon die Problematik begründet, mit der sich auch die Führungen auseinander setzen mussten. Einerseits war diese Ausstellung so informativ wie interessant und so gut aufgebaut wie besucht. Andererseits ist Tagebuchschreiben und Erinnerung(sarbeit) ein Thema, das nie ganz erfasst werden kann und das auch die Tagebuch-Ausstellung nur in Ausschnitten darstellen konnte.

Diesen Ausschnitt so weit und so vielfältig wie möglich zu gestalten, ist den Ausstellungsmacherinnen mehr als gut gelungen und hat dadurch auch die Besucher angesprochen. Sich auf die Ausstellung einzulassen, war sicher für die Museumsbesucher nicht immer einfach, denn wie jedes Thema, das mit vielen Schriftstücken zu tun hat, ist Lesearbeit gefordert. So mündete auch jede Führung in der Aufforderung an den Besucher, danach doch noch etwas länger in der Ausstellung zu verweilen und weitere spannende Erinnerungen in den Tagebüchern und Weblogs zu entdecken. Diesem Rat sind viele nachgekommen und auch vor den Führungen sah man spätere Teilnehmer in den Lesexemplaren zahlreicher Tagebücher schmökern.

So hat die Tagebuch-Ausstellung, obwohl sie den Besuchern vielleicht mehr als andere Ausstellungen Eigeninitiative abverlangt hat, diese nie abgeschreckt. Mein Eindruck war sogar, dass beispielsweise die Führungen, die in dem halben Jahr der Ausstellungsdauer – selbst an den wenigen raren Sonnentagen in diesem Sommer – immer gut besucht waren, oft als eine Art „Sprungbrett“ für spätere Neugierde und weitere Besuche der Ausstellung gedient haben.

Die Architektur der Ausstellung tat zudem ihr Eigenes, das große Thema der „Erinnerung(en)“ zusammenzufassen und zu pointieren sowie die Besucher zu animieren und durch die Unmengen an Informationen zu leiten. Als Besucher durchschritt man nicht nur die Ausstellung sondern zugleich einen Jahreslauf der Bodenplatten, die an Tagebuchblätter erinnerten. Diese waren allesamt vom 1.1. bis zum 31.12. mit einem Tagebuch- oder Blog-Eintrag, getreu dem Motto der Ausstellung, dass jeder Tag einen Eintrag wert sei, versehen. Da das Tagebuchschreiben eine jahrhundertealte kulturelle Praxis ist, tritt es in unzähligen, individuellen Ausformungen auf: mal als (hand)schriftliches „Abarbeiten“ oder als öffentlicheres „Verorten“ im Internet, mal auf Holz oder auf Zigarettenpapierchen, mal in Form von Blumen oder Bildern, mal als Video oder Jahreskette. Dieses Spektrum der Erinnerungen wurde in thematischen Vitrinen gebündelt, die sich mit den Themen – wie „temporäres“ oder „lebenslanges Schreiben“ – und Ausformungen – wie „Selbstfindung“ oder „Experiment“ – der Tagebücher und Weblogs auseinander setzen. Einzelne Tagebücher und Blogs sowie deren Schreiber wurden jedoch hierbei herausgegriffen und ihre Geschichte wurde detaillierter erzählt. Diese so genannten „Tagebuch-Geschichten“ bildeten für die Führungen nicht nur eine sinnvolle Struktur sondern waren oft deren Highlights.

Zusammenfassend ist zu hoffen, dass die Ausstellung „Absolut privat!?“ (und die Führungen durch diese) den Besuchern nicht nur die Erinnerung anderer Leute nahe gebracht hat, sondern auch den Drang geweckt hat, die eigenen Erinnerungen (weiterhin) aufzuschreiben.

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