Nicht ganz Privat

Die Lesung der Texte des Schreibwettbewerbs

von Julia Kretschmer
Am vergangenen Freitag durfte man im Foyer des Museums für Kommunikation Frankfurt etwas Ungewöhnliches erleben. Jugendliche im Alter von 11-14 Jahren gaben ganz private Einblicke in ihren Alltag. Ob sie da ganz ehrlich sein würden, fragte ich mich im Vorhinein. Auch die Moderatorin des Abends, die Kinderbuchautorin Regina Rusch, hatte sich diese Frage gestellt, das verriet sie dem Publikum bei ihrer Begrüßung.
Nachdem der Direktor des Museums, Dr. Helmut Gold, eine Einleitung über die Hintergründe des Wettbewerbs gegeben hatte, verwies er auf berühmte Tagebuchschreiber in der Geschichte und spann so den Bogen zur aktuellen Ausstellung „Absolut privat!?“ in die er die Teilnehmer herzlich einlud. Nachdem sich die Mitglieder der Jury vorgestellt hatten und auch Regina Rusch noch ein paar Worte an die Jugendlichen und deren Begleiter gerichtet hatte, wurden die ersten sechs Kinder zum Vortragen nach vorn gebeten. 18 der 26 Gewinner folgten dem Ruf des Museums an diesem Abend.

Für die musikalische Untermalung der Vorträge sorgte im Übrigen Jürgen Schwab. Durch das Zupfen an seiner Holzgitarre kam sogleich ein wohliges Gefühl der völligen Harmonie auf, das sich oftmals auch beim Ansehen von Märchen oder Kindersendungen einstellt. So entspannt zurückgelehnt lauschte ich nun dem, was da aus den aufgeregten Mündern der 18 angereisten Teenager kommen sollte.

Schon beim ersten Vortrag musste ich schlucken- weg mit der Harmonie. Das Thema Krieg und Verfolgung wurde zum Gegenstand der ersten Geschichte einer 11-Jährigen aus Landshut. Sie verglich ihren Alltag mit dem der Anne Frank. Nicht nur die beeindruckende Lese- bzw. Vortragsweise der Erst-, Zweit- und Drittplatzierten (welche sicherlich Stunden vor dem Spiegel geübt hatten) sondern vor allem die mitreißenden, teils bedrückenden Inhalte der knappen Storys ließen die Zuhörer verstummen und gebannt zum Pult starren.

Wobei die Jungen vorwiegend über Sport oder Spiele schrieben, bemerkte man bei den Mädchen ganz deutlich den offeneren Umgang mit ihren Gefühlen.

Durch die Auswahl der Geschichten ergaben sich die verschiedensten Themen. Durchaus humorvolle Beiträge, allerdings auch Gedanken über Tod, Verrat und Versagen ließen eine Art Kinostimmung aufkommen - das volle Programm, allerdings aus dem wahren Leben der Jugendlichen aus Frankfurt und dem Frankfurter Umland (bei dem Ortsnamen „Linsengericht“ ging ein lautes Kichern durch die Sitzreihen der Backfische).

Nachdem die dritte Gruppe à 6 Schüler ihre faszinierenden Tagebucheinträge wiedergegeben hatte, erfolgte nach ca. 1,5 Stunden die Ehrung aller Teilnehmer. Es gab immerhin 16 dritte Plätze, 7 Zweitplatzierte und 3 Hauptgewinner. Nicht alle 26 waren an diesem Abend anwesend, um ihre Urkunden und Preise entgegenzunehmen. Glücklich und stolz hielten die Schüler am Ende der Veranstaltung ihre Urkunden in die blitzenden Digitalkameras der noch stolzeren Erwachsenen.

Nicht nur die Kinder und Jugendlichen, sondern auch die Eltern und Lehrer verließen an diesem Abend das Museum mit einem breiten Grinsen und einer oder mehreren schönen Geschichten zum Weitererzählen …
… obwohl es doch Tagebuchtexte waren!

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