Goethe Festwoche

Bericht zur Sonderführung am 03.09.

von Julia Kretschmer
sonderfuehrungHerr von Goethe schrieb Tagebuch. War er womöglich doch nicht ausschließlich das hochgerühmte Genie, das Abiturienten noch 200 Jahre nach seinem Tod in den Wahnsinn treibt? Saß er am Abend mit der Kerze unter der Bettdecke und schrieb schluchzend oder jauchzend seine spannenden Erfahrungen nieder? Mit Sicherheit zeugen die Tagebucheinträge von seinen ungeheuren Fähigkeiten als Lyriker! Vermutlich sprudeln seine Eintragungen vor Methapern, geflügelten Worten oder gar witzigen Anekdoten über! Oder?
Die Kuratorin Dr. Christiane Holm sollte gestern diese Fragen beantworten und so schritten wir zu Beginn der Führung gemeinsam über die grauen Teppichbodentafeln der Ausstellung „Absolut privat!?" auf denen sich jeder Tag des Jahres mit der Niederschrift eines Prominenten befindet, sei es Anne Frank, Samuel Pepys oder Artur Schnitzler.

Was also schrieb Goethe? Gespannt neigten die Besucher der Ausstellung die Köpfe zur Bodenplatte des 31.August….
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1819:
Schema von 1817 geendigt. Nebenstehenden Brief: Herrn Cammerh. V. Preen n. Mecklenburg.
Nach Weimar Abschrift des Tagebuchs.
Da Schema von 1818 angefangen. Mineralien vom Boden heruntergeschafft, eine Sammlung auszulegen begonnen. Geh. Rath Behrends zum Besuch. Obige Arbeit des Schematisierens geendigt. Regentag. Die sämmtlichen Jahre von 1810 an revidirt. Mehrere Abendmusiken.


Zu Beginn der Führung war nicht nur ich verdutzt. Ließ doch dieser Eintrag erahnen, dass Johann Wolfgang von Goethe zwar fleißig und sehr bedacht seine täglichen Einträge verfasste, diese aber emotions - ja beinah belanglos für den Leser erscheinen.

Christiane Holm, die am gestrigen Tage die Sonderführung leitete, gab daraufhin Erläuterungen zu Goethes Schreibstil, erklärte der Gruppe, dass Goethe mehrmals täglich seinen Schreibern diese Fakten diktierte und so Wiederholungen zustande kamen. Ihm war wohl bewusst, dass diese Tagebücher von vielen Augen gelesen werden sollten, umso fragwürdiger erschien mir daher der Schreibstil.
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Im Verlauf der Führung gelang es Frau Holm dennoch Sympathien für die Tagebuchführung Goethes zu erwecken, zeigte uns Buchseiten in denen er die „Ertragsspalte“ seines Bilanzbuches nutzte um (für ihn persönlich) bedeutsame „Gewinne“ einzutragen, wie seine Weihnachtsgäste beispielsweise oder den „ideelen Ertrag des Tages“. Auch kleine Kritzeleien und Chiffren entlockten der Schar an Zuhören mehrere „Ohoo“s und „ahjaaa“s.

Bedeutend für das Verstehen seiner Tagebücher ist Goethes Auffassung über deren Zweck. Er „protokolliert“ um zu verinnerlichen, nicht um innere Konflikte zu lösen, was als Motivation vieler heutiger Tagebuchschreiber gelten mag.
Frau Dr. Holm konnte nach intensiver Beschäftigung mit dem Thema an kurzen Einträgen von 1813 die Gemütslage Goethes allein an drei flüchtig gekritzelten Worten ablesen.
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„Napoleon in Dresden“. Somit erfuhren wir zusätzlich historische Fakten um Napoleons Russlandfeldzug, das Verhältnis des Staatsmannes zu Goethe sowie interessante Einblicke in die Welt von Goethes Musen, wo sich der Kreis zu den Chiffren (die Venus, der Halbmond, usw.) wieder schloß.

Auf interessante Art und Weise hat diese Führung das Allgemeine Tagebuchschreiben mit den speziellen Eigenarten von Goethes Hinterlassenschaft miteinander verflochten.
Aber auch nebenher ließen sich auch andere spannende Schicksale finden. Und sei es in einer winzigen Taschenuhr…
3.9.2008: Fritz Solmitz Taschenuhr

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