Montag, 09. Juni 2008
Weltpremiere
Die deutsche Erstabschrift der Anne Frank Tagebücher
Nachdem Otto Frank von Annes Tod hörte, übergab Miep Gies die gefundenen Tagebücher und losen Blätter dem Vater. Dieser tippte sie für die in Schweiz lebenden Großmutter Annes - auf Deutsch - mit der Schreibmaschine ab. Dieses Typoskript ist das erste Werk, welches die Tagebücher und Überarbeitungen aus Annes eigener Hand zu einem Buch zusammenfasst. Es liegt nun im Anne Frank-Archiv in Amsterdam und wurde bisher nie öffentlich gezeigt. Mit zwei Kurieren des Anne Frank Hauses wurde es heute von Amsterdam nach Frankfurt transportiert, wo es bis zum Ende der Ausstellung zu sehen sein wird.
Die Kurierin übergibt der Papierrestauratorin das Paket, welches das Typoskript enthät. In dem Paket liegt das Buch, das aus den gebundenenen Schreibmaschinenabschriften besteht. Die Papierrestauratorin hebt das Buch sorgsam aus dem Paket und legt es auf eine Ablagefläche. Ein Karton bildet den Untergrund. Das Typoskript hat einen graubraun mellierten Kartoneinband und passt damit farblich eigentlich ganz gut in den Ausstellungsraum.

Der Eintrag vom 4. April 1944 wird aufgeschlagen. Er beginnt mit der Anrede "Hallo Kitty", was allerdings nur im Durchdruck der umgeblätterten Seite zu sehen sein wird. Aufgeblättert liegt nämlich die nächste Seite, auf der sich Anne Frank fragt, ob sie jemals Journalistin oder Schriftstellerin werden wird. Die Papierrestauratorin baut aus Karton eine Wiege, in die das Buch später hineingelegt wird. Diese soll den empfindlichen Buchrücken des Buches schonen. Um die Kartonstücke passgenau zuschneiden zu können werden die Buchdeckel mit Hilfe von unterlegten Filzrollen in genau den Winkel gesetzt, die sie später auch in der Wiege haben werden.

Mit dem Geodreieck werden die Winkel gemessen und gleich auf dem Karton der Unterlage vermerkt.

Das Buch liegt schon in der Wiege. Sie ist fast schwarz und fällt daher kaum auf. Der rechte Buchdeckel ist sicher gestützt. Der linke Flügel der Wiege muss noch gebaut werden, damit auch der zweite Buchdeckel stabil aufliegen kann. Zuletzt wird das Buch in der Kartonwiege liegend in dem Vitrinenkörper plaziert. Der Ausstellungstechniker stülpt den Glasdeckel über und verschließt die Vitrine. Fertig - für Anne Franks Geburtstag am Donnerstag liegt die Tagebuchabschrift des Vaters nun schon bereit.











