Sonntag, 09. März 2008
Tagesnotizen von Frauen
Führung zum Internationalen Frauentag
Es jährt sich der Tag der Frauen. Letztes Jahr war das "Fräulein vom Amt" Thema zweier Führungen zum 8. März. Dieses Jahr widmeten wir den Tagebüchern von Frauen unsere Aufmerksamkeit. Bei der Vorbereitung hatten wir bemerkt, dass man auch leicht andere Themenparcoure durch die Ausstellung hätte wählen können, ob nun zum täglichen Schreiben von Jugendlichen oder zu Tagesnotizen rund um den Zweiten Weltkrieg. Ebenso gelingt aber auch ein Rundgang zu ausgewählten Tagebuchstationen von Frauen.
Dr. Christiane Holm begann mit der Tagebuchgeschichte der Wiener Psychoanalytikerin und Freud-Schülerin Hermine Hug-Hellmuth. Dr. Hug gab Anfang der 1920er-Jahre ein gefälschtes Mädchentagebuch heraus, in dem sich - welch Überraschung - die Theorien Freuds exemplarisch bewahrheiteten. Danach ging es zu der Eintragsvitrine zurück, um die Grundlagen der Ausstellung zu erläutern:
1. die 366 Bodenzitate
2. die Tischvitrinen und PC-Stationen zu Alltagstagebüchern und Blogs
3. die hohen Standvitrinen mit besonderen Tagebüchern
4. die Kabinette mit den Tagebuchgeschichten.
Weiter zogen wir zum Goethe-Kalender von Lou Andreas Salomé. Vorne in kitschiger Anmutung ein Goethe-Spruch, Blumen und etwas Jahreszeitliches, auf der Rückseite die Tagesnotizen von Lou. Sie nahm den Kalender mit auf eine Reise nach Russland, wo 1899 noch der Julianische Kalender benutzt wurde. In ihrem Kalender konnte sie sich an der mitteleuropäischen Zeitrechnung orientieren.

An der Vitrine zu den "Traditionen'" wurde anhand eines Schifftagebuches, einer chronik-ähnlichen Auflistung und einer Bilanz von Renteneinnahmen die drei für uns relevanten Vorläufer (Logbuch, Chronik-Kalender, Rechenbuch) am Alltagsbeispiel vorgestellt. Im Anschluss folgte das Blumentagebuch von Clara Schumann. Die Tagebuch erprobte Pianistin schrieb als Kind zusammen mit dem Vater, als junge Frau mit ihrem Ehemann Robert und als dieser in eine Nervenheilanstalt überwiesen wurde, kaum mehr lesen könnend vor geistiger Umnebelung, da fertigte sie ein Blumentagebuch an. Er starb bevor er es erhielt und ein Sträußchen vom Grab ist zuletzt mit ins Buch geklebt.

Von ungewöhnlichen Material und Formaten erzählt die Tagebuchgeschichte von Anke Gröner, die 2006 über die Holzblöcke mit Grüßen ihres Großvaters bloggte. Ebso ungewöhnlich ist das Material der Schmuckkünstlerin Victoria Wittek, die eine Kette mit 365 Gliedern anfertigte. Jeden Tag ein neues, dazu ein Tagebucheintrag mit Skizze und Text. Auch als Jahresprojekt begann Andrea Diener 2000 die "Reisenotizen aus der Realität" als Online-Tagebuch, doch schreibt sie diese - und seit 2001 in einem Blog - bis heute fort.








