Tagesnotizen von Frauen

Führung zum Internationalen Frauentag

8. März 2008: Führung zum Internationalen FrauentagEs jährt sich der Tag der Frauen. Letztes Jahr war das "Fräulein vom Amt" Thema zweier Führungen zum 8. März. Dieses Jahr widmeten wir den Tagebüchern von Frauen unsere Aufmerksamkeit. Bei der Vorbereitung hatten wir bemerkt, dass man auch leicht andere Themenparcoure durch die Ausstellung hätte wählen können, ob nun zum täglichen Schreiben von Jugendlichen oder zu Tagesnotizen rund um den Zweiten Weltkrieg. Ebenso gelingt aber auch ein Rundgang zu ausgewählten Tagebuchstationen von Frauen.
8. März 2008: Führung zum Internationalen Frauentag
Dr. Christiane Holm begann mit der Tagebuchgeschichte der Wiener Psychoanalytikerin und Freud-Schülerin Hermine Hug-Hellmuth. Dr. Hug gab Anfang der 1920er-Jahre ein gefälschtes Mädchentagebuch heraus, in dem sich - welch Überraschung - die Theorien Freuds exemplarisch bewahrheiteten. Danach ging es zu der Eintragsvitrine zurück, um die Grundlagen der Ausstellung zu erläutern:
1. die 366 Bodenzitate
2. die Tischvitrinen und PC-Stationen zu Alltagstagebüchern und Blogs
3. die hohen Standvitrinen mit besonderen Tagebüchern
4. die Kabinette mit den Tagebuchgeschichten.
Weiter zogen wir zum Goethe-Kalender von Lou Andreas Salomé. Vorne in kitschiger Anmutung ein Goethe-Spruch, Blumen und etwas Jahreszeitliches, auf der Rückseite die Tagesnotizen von Lou. Sie nahm den Kalender mit auf eine Reise nach Russland, wo 1899 noch der Julianische Kalender benutzt wurde. In ihrem Kalender konnte sie sich an der mitteleuropäischen Zeitrechnung orientieren.
8. März 2008: Führung zum Internationalen Frauentag
An der Vitrine zu den "Traditionen'" wurde anhand eines Schifftagebuches, einer chronik-ähnlichen Auflistung und einer Bilanz von Renteneinnahmen die drei für uns relevanten Vorläufer (Logbuch, Chronik-Kalender, Rechenbuch) am Alltagsbeispiel vorgestellt. Im Anschluss folgte das Blumentagebuch von Clara Schumann. Die Tagebuch erprobte Pianistin schrieb als Kind zusammen mit dem Vater, als junge Frau mit ihrem Ehemann Robert und als dieser in eine Nervenheilanstalt überwiesen wurde, kaum mehr lesen könnend vor geistiger Umnebelung, da fertigte sie ein Blumentagebuch an. Er starb bevor er es erhielt und ein Sträußchen vom Grab ist zuletzt mit ins Buch geklebt.
8. März 2008: Führung zum Internationalen Frauentag
Von ungewöhnlichen Material und Formaten erzählt die Tagebuchgeschichte von Anke Gröner, die 2006 über die Holzblöcke mit Grüßen ihres Großvaters bloggte. Ebso ungewöhnlich ist das Material der Schmuckkünstlerin Victoria Wittek, die eine Kette mit 365 Gliedern anfertigte. Jeden Tag ein neues, dazu ein Tagebucheintrag mit Skizze und Text. Auch als Jahresprojekt begann Andrea Diener 2000 die "Reisenotizen aus der Realität" als Online-Tagebuch, doch schreibt sie diese - und seit 2001 in einem Blog - bis heute fort.

2 Kommentare

Rita meinte am 10. März 2008 um 00:03

Ziemlich lärmig

War heute auch da, fand es auch sehr spannend, aber durch die vielen schreienden Kinder im Haus insgesamt auch sehr lärmig und unruhig. Man konnte sich einfach nicht richtig auf die Texte konzentrieren - die, so finde ich es jedenfalls, gerade bei den Weblogs zu 95 Prozent aus Belanglosigkeiten bestanden die aus der gleichen Subkultur der Schreiberinnen enstehen. Ich hätte gerne ein Iraq/Iran-Weblog gelesen, oder mehr Fotoweblogs gesehen.
Tine Nowak meinte am 10. März 2008 um 01:12

ja, das museum ist gerade am wochenende kein kinderarmes haus.
es gab an der pc-station bei den vitrinen mit den lebenswerken 2 irak-blogs. und am boden einträge von stephan kloss, ein journalist, der ein bagdad-tagebuch im web führte. ich kann mir vorstellen, dass man bei einem besuch nicht gleich alles findet, was man entdecken könnte.